Einwohnerversammlung: Wohngebietsbeirat für Neundorf

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Ich war ehrlich überrascht, als ich am Dienstag abend in das Neundorfer Waisenhaus kam. Um 19.00 Uhr sollte hier die erste Suhler Einwohnerversammlung des Jahres 2013 stattfinden. Das große Zimmer war bereits voll besetzt und der Zustrom der Neundorfer Bürger und Interessierten riss nicht ab. Als die Einwohnerversammlung begann, war nicht nur das Versammlungszimmer bis zum Bersten gefüllt, auch der davor liegende Flur nahm noch einige Bürger und Stadträte auf. Ein Novum, im Vergleich zur letzten von mir besuchten Einwohnversammlung vor gut zwölf Monaten in Suhl-Mitte. Im Oberrathaussaal konnten die wenigen Interessierten damals ausreichend Platz finden.

Auf der Tagesordnung standen die obligatorischen Ausführungen des Oberbürgermeisters und der Verwaltung, u. a. zur Einwohnerentwicklung in Neundorf, zur Sicherheitslage im Ortsteil und natürlich zu den weiter geplanten Baumaßnahmen An der Hasel. Mit Spannung erwartete ich jedoch die Diskussion darüber, ob in Suhl Neundorf ein Wohngebietsbeirat gebildet werden soll, wie dies jüngst ein Stadtratsbeschluss anregte. Der Oberbürgermeister, Dr. Jens Triebel, machte seine Position gleich zu Beginn deutlich: Er sähe ein solches Gremium insbesondere angesichts des angestrebten Zusammenwachsens und und -wirkens der Stadt Suhl als einen Schritt in die falsche Richtung an. Die Wege zur Verwaltung und den Stadträten seien kurz und er lud dazu ein, diese im Bedarfsfall auch aktiv zu nutzen. Auch wies er auf das erfolgreiche Wirken des Bürgervereins und die bislang sehr gute Zusammenarbeit mit diesem hin. Jedoch, das stellte er ausdrücklich klar, stehe er einem solchen Gremium nicht im Wege, wenn die Neundorfer sich für einen Wohngebietsbeirat aussprächen.

Im Weiteren legte Holger Auerswald dar, welche Aufgaben ein Wohngebietsbeirat hat: Für die Belange der Bürger eines Wohngebietes erster Ansprechpartner und Sprachrohr zur Verwaltung und den Stadträten zu sein. Er berichtete von der Arbeit der bereits in Suhl-Nord und im Wohngebiet Ilmenauer Straße bestehenden Beiräte. Er machte aber auch deutlich, dass ein Wohngebietsbeirat keine, etwa in der Thüringer Kommunalordnung, manifestierten Rechte wie beispielsweise ein Ortsteilrat habe.

In der anschließenden Diskussion beklagten einige Anwesende, dass ihre Interessen, wie sich zuletzt bei der Vorbereitung der Baumaßnahmen An der Hasel und der damit verbundenen Gestaltung der Umleitungen gezeigt habe, kein wirkliches Gehör in der Verwaltung fänden. Auch sei der desolate Zustand der Straßen, fehlende Instandhaltungen und Reinigungen der Kanalisation beklagenswert. Eine Einwohnerversammlung, die nur etwa alle vier Jahre in Neundorf stattfindet, reiche nicht aus, um die Belange der Einwohner Neundorfs zu hinterfragen. Wann sei man in den letzten Jahren überhaupt einmal in solcher Anzahl in Neundorf zusammengekommen, um die gemeinsamen Interessen zu diskutieren und sich im Weiteren gemeinsam um deren Durchsetzung zu bemühren. Viele sprachen sich daher für die Bildung eines Wohngebietsbeirates aus.

Angesprochen auf die Frage, ob der Bürgerverein nicht die Aufgabe des Sprachrohrs übernehme könne, führte dessen Vorsitzender, Dr. Detlef Heydenbluth, aus, dass man sich gern um die Heimat- und Traditionspflege bemühe, sich jedoch ganz bewusst gegen eine politisch geprägte Arbeit entschieden habe und daran auch in Zukunft festhalten wolle. Er wies darauf hin, dass ein Wohngebietsbeirat nachhaltig wirken müsse, auch wenn die Euphorie des Aufbruchs längst verflogen sei. Das Wirken im Ortsteil brächte nicht immer Erfolge mit sich, man müsse auch mit nicht erreichten Zielen umzugehen wissen. Und die Interessen eines Ortsteils und seiner Bürger seien nicht immer einheitlich. Gerade diese oft widerstreietenden Interessen auszugleichen, erfordere langen Atem und ein robustes Gemüt. Er sprach sich gegen die Bildung eines Wohngebietsbeirates aus.

Der Heinrichser Ortsteilbürgermeister und CDU-Stadtrat Marcus Kalkhake berichtete von der Tätigkeit seines Ortsteilrates. Er machte deutlich, dass nur aufgrund des nachhaltigen bürgerlichen Engagements in diesem Gremium die Heinrichser Interessen in Stadtrat und Verwaltung Gehör fänden. Standpunkte und Erklärungen von Ortsteilbürgermeistern vor dem Suhler Stadtrat hätten dort ein hohes Gewicht und beeinflussten manche Entscheidung. Neundorf verschenke diese Möglichkeit der Einflussnahme. Er unterstütze daher die Bestrebungen, einen Wohngebietsbeirat zu bilden und regte an, nach einiger Erfahrung auch einen eigenen Ortsteilrat zu bilden.

Der Oberbürgermeister, Dr. Jens Triebel, lud alle Interessierten dazu ein, ihr Interesse an der Mitwirkung in dem neu zu gründenden Beirat in den nächsten Wochen im Rathaus anzuzeigen. Er werde Niemanden von einer Mitwirkung ausschließen. Die Beschlussfassung des Stadtrates avisierte für den Monat März.

Auch ich begrüße den Aufbruch der Neundorfer, wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen zu wollen. Gerade in unserer digitalisierten Welt, in der Freundschaften und Gemeinsamkeiten zunehmend virtuell gepflegt werden, ist eine solche "echte" gemeinsame Arbeit zwischen Menschen aus Fleisch und Blut etwas besonderes. Es ist Ausdruck dafür, dass Werte wie Familie und Gemeinschaft zunehmend an Stellenwert gewinnen. Und ein wenig Enthusiasmus sollte jeder mitbringen, der eine Gemeinschaft sucht und sich für eine solche einsetzen will. Dies hilft, auch schwierige Siutationen zu meistern. Und nur, weil zu ahnen ist, dass Schwierigkeiten kommen werden, sollte dies nicht davon abschrecken, es nicht wenigstens zu versúchen.

André Knapp