Persönlicher Brief an Mark Hauptmann

Tobias Uske CDU, Deutschland, Menschen

von Marcus Kalkhake, Fraktionsvorsitzender der CDU im Suhler Stadtrat

Mark,

ich schreibe diese Zeilen hier in dem Glauben, dass du sie irgendwann lesen wirst. Ich werde viel gefragt, warum ich mich nicht äußere. Mir fehlten schlicht die Worte. Nun geht es nur so.

Die gesamte Zeit meines politischen Wirkens kennen wir uns und sind sie Seite an Seite gegangen. In der Jungen Union haben wir begonnen, waren idealistisch, wollten mit dem Kopf durch die Wand. Wir hatten ein klaren politischen Wertekanon. Unser Gegner war links und sogar teilweise in den eigenen Reihen. Du warst lange durch Studium und Auslandsaufenthalte fort. Ich hielt hier die Stellung, schlug Schlachten und Wahlkämpfe. Dann kam die Zeit: Wir waren alle etwas gereifter. Ich erkannte, dass ein Bundestagsmandat überhaupt nicht zu mir passte. Du warst im Begriff dich zu verändern. Ich habe auf dich eingeredet und dir erklärt, dass du genau der Richtige dafür wärest.

Was ist seither geschehen? Was ist mit dir passiert?

Wir waren alle stolz auf dich, dass du in stürmischen Zeiten unerschrocken unsere Meinungen in Berlin vertreten hast. Die Politik der CDU hat sich so verändert, so weit entfernt von dem, wofür wir damals alle eintraten. Du warst einer der wenigen, der uns den Glauben erhielt.

Was ist passiert mit dir, Mark? Was? Es war eine schwere Zeit in Suhl, als Union mit „Nichts“ wieder von vorn anzufangen. Ohne Mandat, ohne Geld, ohne Zuspruch. Mit unseren Getreuen und hoffentlich Inhalten haben wir es dennoch, auch gegen den Trend, alle aus dem Ehrenamt heraus geschafft. Stück für Stück gewannen wir Vertrauen zurück. Unser erster großer Wahlerfolg warst dann du.

Nun stehen wir hier und sind meiner Meinung nach im Minus gelandet. Wie konntest du aus dem Elend Kapital schlagen? Habe ich es nicht sehen wollen, dass du schon immer so warst, oder wann bist du so geworden? Zurück bleiben hier in erster Linie Menschen, welche den Glauben in die Handlungsfähigkeit unseres Staates ohnehin verloren haben.

Zurück bleiben Menschen, die noch daran glaubten und dafür ihre Freizeit opferten. Zurück bleiben Menschen, welche an dich glaubten und dir bis heute die Treue hielten. Zurück bleiben Menschen, welche aufgrund politischer Entscheidungen nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen.

Zurück bleiben deine ehemaligen Weggefährten, welche mit widerlichen Witzen in Sippenhaft genommen werden. Zurück bleibt ein großer Scherbenhaufen. Und dann, in der Stunde der möglichen Wahrheit, hast du uns noch belogen.

Mark, meine Enttäuschung ist grenzenlos. Meine Bindung mit der CDU war zurückliegend bereits erodiert. Du bist mir nun noch in den Rücken gefallen. Bitte lege endlich dein Stadtratsmandat und alle kommunalpolitischen Funktionen nieder, damit wir hier zumindest handlungsfähig sind. Das waren viele Worte, dafür das ich keine habe.

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