Stadtarchiv statt Mogelpackung

Tobias Uske Geschichte, Kommunales

Pressemitteilung der CDU/FDP zur Diskussion und Namensgebung des neuen Stadtarchives in Suhl

Suhl. Das einstige Kulturhaus am Platz der Deutschen Einheit steht kurz vor seiner Wiedereröffnung. Nach Jahren des Umbaus wurde ein komplett neues Gebäude errichtet. Nur die Hülle des einstigen Kulturhauses „7. Oktober“ blieb bestehen. Kosten seit 2009: über 10,5 Mio. € – inklusive Eigenmittel in Millionenhöhe, die anderen wichtigen Projekten der Stadt Suhl nicht zur Verfügung stehen. Doch statt um Transparenz zu Kosten und tatsächlichem Nutzen wurde im Februar-Stadtrat erneut nur um Deutungs- und Nutzungshoheit des neuen Stadtarchivs gerungen.

Nach dem Rausch, wenigstens die Hülle des einstigen Kulturhauses gesichert zu haben, folgt nun die Ernüchterung bei Teilen des Stadtrates. Linken und Freien Wählern geht nun auf, dass alle Räume und die Ausstattung so geplant wurden, dass Stadtarchiv und Magazin des Waffenmuseums untergebracht und betrieben werden können. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen daher und aufgrund kriegswaffenrechtlicher Vorschriften den größten Teil des Gebäudes nicht betreten. Der Lesesaal und die Räume des Stadtarchives sind für Geschichtsbegeisterte und für geschultes Personal vorgesehen. Ein öffentliches  Geschichtsmuseums, aufwendige Ausstellungen oder gar Vernissagen wird es jedoch nicht geben können.

Daran ändert auch das Vorhaben nichts, dem Gebäude den Titel „Haus der Geschichte“ zu verleihen. Ein solcher Antrag wurde nun zur weiteren Beratung mit knapper Mehrheit in den Hauptausschuss verwiesen. Dabei führte Sylvia Luck, Fraktionsvize der CDU/FDP Fraktion im Suhler Stadtrat aus, dass es zwar deutschlandweit Museen mit selbigem Titel gebe: Touristen können Dauerausstellungen über die Geschichte Deutschlands (Bonn), des Bundeslandes (Regensburg) oder auch über Lokales (Wittenberg) besuchen. Das Suhler Stadtarchiv aber sei, was es ist – ein Ort, an dem Akten, Sammlungen, Waffen und historisches Kriegsgerät gelagert werde. Falsche Hoffnungen auf tourismustaugliche Erlebniswelten mit Anleihen an bekannte Vorbilder zu wecken erscheint entweder als naiv oder überheblich.  

Tatsächlich werden hauptsächlich die Archivare der Stadt Suhl und auch die Bediensteten des Waffenmuseums in dem Gebäude tätig sein. Wie die Linke, SPD und Freie Wähler jedoch auf die Idee kommen, aus dem Stadtarchiv ein lebendiges touristisches Kleinod zaubern zu können, zu dem erwartungsfrohe Massen hinströmen, bleibt schleierhaft. Selbst wenn sich die Anzahl der Besucher – wie durch ein Wunder – pro Jahr verdreifachen würde, es wären weniger als zwei Personen am Tag zu begrüßen.

Als CDU und FDP werden wir uns für eine sinnvolle und vor allem maßvolle Nutzung des Stadtarchives einsetzen. Die Benennung als solches: „Stadtarchiv“ ist dabei ein wichtiger Schritt.

Denn wir haben nicht nur die Historie, sondern auch die Zukunft der Stadt im Blick. Etwaigen Ambitionen zu Stellenaufstockungen für Hobby-Historiker, Zweckentfremdungen von benötigtem Archivraum oder anderen teuren Ambitionen, werden wir entschieden entgegen treten. Investitionen in Sportstätten, Schulen und Kindergärten muss wieder Vorrang eingeräumt werden.